WUFI-Simulation: Wie hygrothermische Berechnung Bauschäden verhindert

WUFI-Simulation

Der Praxisleitfaden 2026 – WERK.E Energie-Effizienz-Beratung 

Kurz und klar: Eine WUFI-Simulation berechnet, wie sich Wärme und Feuchte in einem Bauteil über mehrere Jahre verhalten – stündlich, dynamisch und unter realem Klima. Sie ist das Standardwerkzeug für den Feuchteschutznachweis nach DIN 4108-3, wenn das vereinfachte Glaser-Verfahren nicht mehr greift. Konkret heißt das: Bei Innendämmung, Flachdächern in Holzbauweise, Sanierungen im Bestand und feuchteempfindlichen Konstruktionen ist die WUFI-Simulation kein Nice-to-have, sondern die einzige rechtssichere Methode, Bauschäden vor dem ersten Spatenstich auszuschließen. 

Wer plant, dämmt, saniert oder QNG-zertifiziert, sollte diesen Artikel zu Ende lesen. Wir bei WERK.E setzen WUFI in Paderborn und Kassel täglich ein und sehen auch, was passiert, wenn man darauf verzichtet.

 

Was ist eine WUFI-Simulation? 

WUFI steht für „Wärme Und Feuchte Instationär“ und ist eine Simulationssoftware des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik (IBP). Sie berechnet den gekoppelten Wärme- und Feuchtetransport in Bauteilen unter realen Klimabedingungen – und zwar nicht stationär (also als Momentaufnahme), sondern instationär: über Wochen, Monate, Jahre, im Stundentakt. 

Drei Dinge macht WUFI besser als jedes vereinfachte Verfahren: 

  1. Es rechnet mit echtem Wetter. Schlagregen, Sonneneinstrahlung, langwellige Abstrahlung, stündliche Außenklimadaten des konkreten Standorts. 
  2. Es koppelt Wärme und Feuchte. Höherer Feuchtegehalt erhöht Wärmeverluste, und die Temperatur im Bauteil beeinflusst den Feuchtetransport. Beides gehört zusammen. 
  3. Es berücksichtigt Materialeigenschaften realistisch. Kapillartransport, Sorption, Baufeuchte, Diffusionswiderstände – alles fließt ein. 

 

Das Ergebnis ist eine belastbare Prognose: Wo bildet sich Tauwasser? Trocknet das Bauteil im Sommer wieder aus? Wann kippt eine Konstruktion in Richtung Schimmel oder Holzfäule? 

 

Warum das Glaser-Verfahren in vielen Fällen nicht mehr ausreicht 

Das Glaser-Verfahren nach DIN 4108-3 ist über Jahrzehnte der Standard für den Feuchteschutznachweis gewesen. Es ist einfach, schnell und für viele homogene Außenwände vollkommen ausreichend. 

Aber es hat klare Grenzen: 

  • Es ignoriert Schlagregen, Sonne und kapillaren Feuchtetransport. 
  • Es kennt nur einen Winter- und einen Sommerblock – keine echten Klimadaten. 
  • Es ist nur anwendbar für beheizte Wohn- und Bürogebäude bis 700 m über dem Meeresspiegel. 
  • Bei Kühlhallen, Schwimmbädern oder Produktionshallen liefert es schlicht falsche Ergebnisse. 

 

Die DIN 4108-3 selbst lässt deshalb in der aktuellen Fassung ausdrücklich numerische Simulationsverfahren zu, wenn das Glaser-Verfahren an seine Grenzen stößt – etwa bei Austrocknung von Baufeuchte, Aufnahme von Regenwasser oder bei sogenannten „nicht nachweisfreien Bauteilen“. Welche Anforderungen ein Simulationsprogramm dafür erfüllen muss, regelt die DIN EN 15026. WUFI erfüllt sie alle. 

Merksatz: Glaser ist ein Schnelltest. WUFI ist die Diagnose. Bei kritischen Konstruktionen brauchen Sie die Diagnose. 

 

Wann ist eine WUFI-Simulation sinnvoll – oder sogar zwingend? 

In der Praxis empfehlen wir bei WERK.E eine hygrothermische Simulation immer dann, wenn die Konstruktion vom Standardfall abweicht oder wenn die Bauherrin oder der Bauherr nicht nur das Risiko, sondern auch die Verantwortung sauber dokumentiert haben will. 

Typische Anwendungsfälle: 

  • Innendämmung im Altbau – besonders bei Fachwerk, Denkmal und massiven Bestandsfassaden, wo Außendämmung nicht möglich ist 
  • Flachdächer in Holzbauweise – inklusive Verschattung durch Photovoltaik, Terrassenbelägen oder Gründach 
  • Sanierungen mit feuchteempfindlichen Materialien wie Holzwerkstoffen, Lehm oder Naturfasern 
  • Anschlussdetails und Wärmebrücken, bei denen 1D-Berechnung nicht reicht (dann 2D-Simulation) 
  • Sondernutzungen – Schwimmbäder, Kühlhallen, Produktionshallen, Räume mit hoher Luftfeuchte 
  • Nutzungsänderungen, bei denen sich das Innenklima eines Bestandsbauteils ändert 

 

Ein klassisches Beispiel aus der Forschung: Wird in einem Mehrfamilienhaus nur eine Wohnung innengedämmt, kann das in der unsanierten Nachbarwohnung Schimmel an der Trennwand verursachen – obwohl dort vorher keine Schäden waren. Solche Effekte sieht man nur in einer dynamischen Simulation, nie im Glaser-Diagramm. 

 

Praxisbeispiel: Brauerei mit wöchentlichem Feuchtepeak 

Ein Projekt aus unserer Praxis zeigt sehr gut, warum sich eine WUFI-Simulation gerade bei Sondernutzungen rechnet. Eine Brauerei hatte ein klassisches Problem: Einmal pro Woche – am Sudtag – entstehen über wenige Stunden große Wasserdampfmengen. An den restlichen sechs Tagen läuft der Betrieb mit normalem Hallenklima. 

Die Frage des Bauherrn: Hält die Gebäudehülle das langfristig aus? Oder kondensiert die Feuchte über Jahre in der Konstruktion und richtet schleichende Schäden an Dämmung, Holz und Stahlbauteilen an? 

Mit den Standard-Klimaannahmen der DIN EN 15026 wäre das Bauteil entweder überdimensioniert (teuer, aber sicher) oder falsch ausgelegt (günstig, aber Schaden in zwei bis fünf Jahren) bewertet worden. Wir haben deshalb in WUFI das reale Wochenprofil abgebildet – stündlich, mit echtem Sudtag-Peak und den sechs Trocknungstagen dazwischen. 

Das Ergebnis war eine gepufferte, intelligent geschichtete Wand- und Dachkonstruktion mit definiertem Trocknungsweg: Der Feuchtepeak wird kurzzeitig aufgenommen, in den folgenden Tagen kontrolliert wieder abgegeben. Keine Sonderlösung, keine Premium-Materialien – sondern saubere Bauphysik. 

Der Effekt für den Bauherrn: 

  • Deutlich kosteneffizienter als die zunächst angedachte Maximal-Lösung 
  • Förderfähig im Rahmen der investiven Energieeffizienzmaßnahmen für Nichtwohngebäude 
  • Dauerhaft tragfähig über den gesamten simulierten Betriebszeitraum 

 

Genau das ist der Punkt, an dem hygrothermische Simulation aufhört, nur ein Nachweis zu sein – und anfängt, ein Planungsinstrument zur Kostenoptimierung zu werden. 

Hygrothermische Simulation des Wochenprofils einer Brauerei – Sudtag-Peak und kontrollierte Trocknung über sechs Tage.

 

Die Normen-Landschaft auf einen Blick 

Wer eine hygrothermische Simulation in Auftrag gibt, sollte wissen, in welchem rechtlichen Rahmen sie steht. Die wichtigsten Regelwerke: 

  • DIN 4108-3 – Klimabedingter Feuchteschutz, lässt numerische Simulationen ausdrücklich zu 
  • DIN EN 15026 – europäische Norm für hygrothermische Simulationsverfahren, technische Grundlage für WUFI 
  • DIN 68800-2 – Holzschutz durch bauliche Maßnahmen, relevant bei unbelüfteten Holzdächern und Holzbalkendecken 
  • WTA-Merkblatt 6-1 / 6-2 – Leitfaden für hygrothermische Simulationsberechnungen 
  • WTA-Merkblatt 6-3 – rechnerische Prognose des Schimmelpilzwachstumsrisikos 
  • WTA-Merkblatt 6-4 / 6-5 – Innendämmung: Planungsleitfaden und numerischer Nachweis 
  • WTA-Merkblatt 6-8 – feuchtetechnische Bewertung von Holzbauteilen 
  • WTA-Merkblatt 8-5 – Fachwerkinstandsetzung: Innendämmung 

 

Für Sie als Bauherr:in oder Planer:in wichtig: Eine WUFI-Simulation, die nach diesen Regelwerken aufgesetzt wird, hat Beweischarakter. Sie hält im Streitfall vor Gericht, im Gutachten und bei der Förderprüfung. 

 

So läuft eine WUFI-Simulation bei WERK.E ab 

Damit Sie wissen, was Sie bei einer Beauftragung erwartet – hier der typische Ablauf in fünf Schritten: 

  1. Projektgespräch und Zieldefinition. Welche Bauteile, welche Frage? Soll ein Bestand bewertet, eine Sanierung geplant oder ein Schaden gutachterlich aufgeklärt werden? 
  2. Aufbereitung der Eingangsdaten. Bauteilaufbau, Materialkennwerte aus der WUFI-Materialdatenbank (oder aus Herstellerangaben), Klimadaten für den konkreten Standort, Innenklima-Annahmen nach DIN EN 15026 oder Messung. 
  3. Simulation. In der Regel über drei bis fünf Jahre Berechnungszeitraum, bis sich ein eingeschwungener Zustand zeigt. Bei kritischen Bauteilen rechnen wir mit verschärftem Klima (z. B. Worst-Case-Schlagregen). 
  4. Auswertung. Wir prüfen Tauwassermengen, Holzfeuchte, relative Feuchte an kritischen Schichten, Schimmelpilzrisiko und langfristige Feuchtebilanz. Das Glaser-Verfahren sagt: bestanden oder nicht. Eine seriöse WUFI-Auswertung sagt: bestanden, mit dieser Reserve, unter diesen Bedingungen. 
  5. Bericht und Empfehlung. Sie bekommen einen verständlichen Bericht – nicht nur Diagramme. Wenn die Konstruktion nicht trägt, liefern wir Varianten, die funktionieren. 

 

Bei einfachen Wandaufbauten dauert der Prozess wenige Tage. Bei komplexen Sanierungen mit mehreren Varianten kann er zwei bis drei Wochen umfassen. 

 

Was kostet eine WUFI-Simulation – und ist sie förderfähig? 

Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Die Bandbreite reicht von wenigen hundert Euro für eine einzelne, klar abgrenzbare 1D-Berechnung bis hin zu vierstelligen Beträgen bei komplexen Sanierungen mit 2D-Wärmebrücken, mehreren Varianten und ausführlichem Gutachten. 

Wichtig zur Förderung: Wenn die Simulation Teil einer geförderten Sanierung ist (BEG EM, BEG WG, KfW-Programme), zählt sie regelmäßig zu den förderfähigen Baubegleitungs- und Fachplanungskosten. Bei vielen KfW-Programmen sind das 50 % der Baubegleitungskosten, bis zu programmabhängigen Höchstgrenzen. Das macht die Simulation in den meisten Sanierungsprojekten netto deutlich günstiger – und nimmt gleichzeitig massive Bauschadensrisiken vom Tisch. 

Wir prüfen die konkrete Förderfähigkeit für Ihr Projekt vorab. Das gehört bei WERK.E zur Energieberatung dazu. 

 

Häufige Fragen zur WUFI-Simulation (FAQ) 

Brauche ich eine WUFI-Simulation für jede Sanierung? 

Nein. Bei einfachen Standardaufbauten reicht meist das Glaser-Verfahren oder ein nachweisfreier Aufbau nach DIN 4108-3. Sobald Innendämmung, Holzbau, Flachdach, Fachwerk, Denkmal oder ungewöhnliche Materialkombinationen ins Spiel kommen, ist die Simulation Pflicht oder dringend zu empfehlen. 

Was ist der Unterschied zwischen WUFI Pro, WUFI 2D und WUFI Plus? 

WUFI Pro ist 1D und das Standardwerkzeug für Bauteilquerschnitte. WUFI 2D rechnet zweidimensional und wird für Wärmebrücken, Anschlussdetails und inhomogene Konstruktionen eingesetzt. WUFI Plus simuliert das Gesamtgebäude inklusive Heizung, Lüftung und Innenklima. 

Wie lange ist eine WUFI-Simulation gültig? 

So lange Bauteilaufbau, Nutzung und Klimarandbedingungen unverändert bleiben. Bei Nutzungsänderungen (z. B. Aufstockung, neuer Anbau, Klimaanlage, Nutzung als Schwimmbad) muss neu gerechnet werden. 

Ist eine WUFI-Simulation Pflicht für QNG-Zertifizierung? 

Nein. Aber bei feuchtetechnisch sensiblen Konstruktionen ist sie der saubere Weg, die Anforderungen an die Nachhaltigkeit, inklusive Lebensdauer der Bauteile, belastbar zu dokumentieren. Wir koppeln das in unseren QNG-Audits eng mit der Bauphysik. 

Wer darf eine WUFI-Simulation durchführen? 

Es gibt kein Berufsschutz-Monopol. In der Praxis sollten Sie aber auf einen geprüften Sachverständigen für hygrothermische Bauphysik oder einen erfahrenen Energieeffizienzberater bzw. Bauphysiker bestehen. Eine WUFI-Lizenz allein macht keinen Bauphysiker. 

Kann WUFI auch Schimmel vorhersagen? 

Ja. WUFI Pro 7 enthält ein Bewertungsmodell für Schimmelpilzwachstum nach WTA 6-3, das die kritische Kombination aus Temperatur, relativer Feuchte und Zeit auswertet. Das ist deutlich präziser als die einfache 80-%-Schwelle. 

Was kostet WUFI nicht – aber bringt im Zweifel Schäden in fünfstelliger Höhe? 

Ehrliche Antwort: Schimmel im Schlafzimmer, Holzfäule im Sparren, abgesoffene Innendämmung. Wir haben das bei Bestandsimmobilien aus den 2010er-Jahren schon mehrfach gesehen. Eine Simulation für ein paar hundert bis ein paar tausend Euro spart oft fünf- bis sechsstellige Sanierungskosten. 

 

Wer im Zweifel rechnen lässt, baut sicherer 

Die WUFI-Simulation ist heute der Goldstandard für den Feuchteschutznachweis in allen kritischen Bauaufgaben. Sie ist normativ verankert (DIN EN 15026, DIN 4108-3, WTA-Merkblätter), wissenschaftlich validiert (30 Jahre Pionierarbeit am Fraunhofer IBP) und in der Praxis bezahlbar – besonders im Rahmen geförderter Sanierungen. 

Was sie braucht, ist Erfahrung in der Auswertung. Eine Simulation, die niemand richtig liest, ist nutzlos. Eine, die jemand mit Bauphysik-Hintergrund interpretiert, ist die beste Versicherung gegen Bauschäden, die Sie für Ihr Projekt abschließen können. 

 

WUFI-Simulation in Ostwestfalen-Lippe, Nordhessen Dortmund 

WERK.E begleitet seit 2013 über 10.000 Projekte in Energieeffizienz, QNG-Zertifizierung und Bauphysik. Mit Standorten in Paderborn, Kassel und Dortmund decken wir Ostwestfalen-Lippe, Nordhessen und das östliche Ruhrgebiet flächendeckend ab. Hygrothermische Simulationen mit WUFI gehören zu unserem Standard-Werkzeugkasten – egal ob Sie ein Einfamilienhaus saniert, ein Mehrfamilienhaus innengedämmt oder ein Großprojekt zertifiziert bekommen wollen. 

Wenn Ihre Konstruktion vom Standardfall abweicht: Lassen Sie es vorher rechnen, nicht hinterher gutachten. 

→ Sprechen Sie uns an. Wir prüfen in einem ersten Gespräch, ob Ihr Bauteil eine Simulation braucht und ob die Kosten dafür in Ihrer Förderung mit drin sind. 

Über WERK.E: Wir sind ein Ingenieurteam aus über 60 Energieeffizienz-Spezialisten mit Sitz in Paderborn und Kassel. Seit 2013 begleiten wir Bauherr:innen, Architekt:innen, Investor:innen und die öffentliche Hand bei Energieberatung, KfW- und BAFA-Förderung, QNG-Zertifizierung, iSFP, BEG-Antragsbegleitung und Bauphysik – inklusive WUFI-Simulationen mit eigenen geprüften Auditoren. 

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