Die Zwischensparrendämmung allein erreicht in den meisten Bestandsdächern nicht den Förderstandard. Holzsparren mit Querschnitten von 14 oder 16 cm Höhe bleiben energetisch unterdimensioniert – selbst mit modernen Dämmstoffen liegt der U-Wert bei 0,22–0,28 W/(m²K), die BAFA-Schwelle von 0,14 W/(m²K) wird verfehlt. Die Untersparrendämmung schließt diese Lücke. Sie ist die günstigste Möglichkeit, eine bestehende Zwischensparrendämmung auf Förder-Niveau zu heben – und gleichzeitig die Wärmebrücke über die Holzsparren zu reduzieren.
Die Untersparrendämmung ergänzt eine bestehende Zwischensparrendämmung um eine innenseitige Zusatzlage. Genutzt wird der Raum zwischen Dampfbremse und Innenbekleidung. Typische Schichtdicke 4–8 cm, U-Wert-Verbesserung 0,03–0,08 W/(m²K). Damit lassen sich U-Werte von 0,14–0,18 W/(m²K) erreichen, wenn die Zwischensparrenlage bereits 18–22 cm umfasst. Kosten 60–100 €/m². BAFA 2026: 15 %, mit iSFP 20 %.
Was Untersparrendämmung leistet
Die Untersparrendämmung ist eine raumseitige Zusatzdämmschicht in Dachschrägen. Sie wird zwischen oder vor einer Lattung montiert, die direkt auf die Sparren geschraubt wird. Der entscheidende Effekt: Die Sparren werden thermisch entkoppelt, weil die innenseitige Dämmlage als durchgehende Schicht über die Holzbalken verläuft. Wärmebrücken über das Holz – sonst 15–25 Prozent des Gesamtverlusts – werden auf nahezu null reduziert.
Die Lage zwischen Dampfbremse und Innenverkleidung dient gleichzeitig als Installationsebene. Elektroleitungen, Sanitärrohre und Lüftungskanäle werden hier verlegt, ohne die Dampfbremse zu durchstoßen. Das schützt die Luftdichtheitsebene vor Beschädigungen durch nachträgliche Bohrungen.
Die 80/20-Regel der Bauphysik
Eine elementare Faustregel der Innendämmung: Die innere Dämmlage darf höchstens 20 Prozent der gesamten Dämmstärke ausmachen. Bei 18 cm Zwischensparrendämmung sind das maximal 4–5 cm Untersparrenlage. Wer diese Grenze überschreitet, verschiebt den Taupunkt in die Dampfbremse hinein – mit Tauwasserrisiko und potenziellem Holzschaden.
Warum 80/20 funktioniert
Bei einem Aufbau von 80 Prozent außen und 20 Prozent innen bleibt der Taupunkt sicher in der äußeren Dämmlage. Die Dampfbremse trennt warmen Innenraum von kühlerer Außenlage – die kapillaraktiven Dämmstoffe der Innenlage können kleine Mengen Tauwasser puffern. Bei umgekehrtem Verhältnis(40 % innen, 60 % außen) würde die Dampfbremse selbst zur Tauwasserzone – Schimmel und Holzfäule die Folge.
Für ein konkretes Beispiel: Bei 22 cm Zwischensparrendämmung (WLS 035) darf die Untersparrenlage maximal 5,5 cm betragen. In der Praxis üblich sind 4–5 cm – ausreichend für die U-Wert-Verbesserung, mit Sicherheitsabstand zur 80/20-Grenze.
Aufbau Schritt für Schritt
Die Untersparrenlattung wird im Sparrenabstand auf die Sparren geschraubt. Standardprofile: 24/48 mm oder 30/50 mm Kantholz oder Metallprofile(CD-Profile 27/60 mm). Die Lattung verläuft kreuzweise zur Sparrenrichtung – horizontal über die senkrechten Sparren. Damit entsteht ein Rastermaß für die Dämmstoffaufnahme.
Zwischen die Lattung wird Mineralwolle-Klemmfilz (WLS 035–040), Holzweichfaserplatte (WLS 040) oder Holzfaser-Flockendämmung (WLS 038) geklemmt oder eingeblasen. Die Dampfbremse bleibt auf der raumseitigen Sparrenoberfläche und wird nicht durchstoßen. Den Abschluss bildet eine Gipskarton-, Gipsfaser- oder Holzpaneel-Bekleidung.
Material und Brandschutz
Mineralwolle-Klemmfilz WLS 035 ist das marktführende Material – günstig (12–18 €/m² Material bei 5 cm Stärke), einfach zu verarbeiten, Baustoffklasse A1 (nicht brennbar). In Mehrfamilienhäusern und im Brandschutz-sensiblen Dachausbau die Standardwahl.
Holzweichfaserplatten WLS 040 (z. B. STEICOflex, Pavatex) bieten bessere Wärmespeicherkapazität für sommerlichen Wärmeschutz. Materialpreis18–28 €/m². Brandschutzklasse B2 – im EFH unproblematisch.
Bei Holzbaukonstruktionen sind Brandschutzanforderungen nach DIN 4102 zu beachten. Bei Wohngebäuden bis Gebäudeklasse 3 ohne besondere Anforderungen an die Dachschräge. Ab Klasse 4 sind nicht brennbare Dämmstoffe Pflicht.
U-Werte und Wirtschaftlichkeit
Bei 18 cm Zwischensparrendämmung WLS 035 (U ≈ 0,20 W/(m²K)) plus 4 cm Untersparrendämmung WLS 035 ergibt sich rechnerisch ein U-Wert von 0,16 W/(m²K). Mit Sparrenanteil und Wärmebrückeneffekten real etwa 0,17–0,18 W/(m²K). Damit ist die BAFA-Schwelle in Reichweite, aber noch nicht erreicht.
Bei 22 cm Zwischensparren plus 5 cm Untersparren sinkt der U-Wert auf 0,13–0,14 W/(m²K). Damit BAFA-förderfähig. Bei 6 cm Untersparren und 24 cm Zwischensparrendämmung erreichen Sie 0,11–0,12 W/(m²K) – Passivhaus-Niveau ohne Aufsparrenebene.
| Zwischensparrendämmung | Untersparrendämmung | Gesamt U-Wert | Förderung |
| 18 cm WLS 035 | 0 | 0,20 W/(m²K) | GEG |
| 18 cm WLS 035 | 5 cm WLS 035 | 0,15 W/(m²K) | BAFA knapp |
| 22 cm WLS 035 | 5 cm WLS 035 | 0,13 W/(m²K) | BAFA + iSFP |
| 22 cm WLS 035 | 6 cm WLS 035 | 0,12 W/(m²K) | BAFA + iSFP |
Förderung 2026 und Praxis
Die Bundesförderung für effiziente Gebäude – Einzelmaßnahmen (BEG EM) fördert 2026 Dämmmaßnahmen an der Gebäudehülle mit einem BAFA-Zuschuss von 15 Prozent der förderfähigen Kosten. Mit individuellem Sanierungsfahrplan (iSFP) erhöht sich der Zuschuss um 5 Prozentpunkte auf 20 Prozent. Förderfähig sind 30.000 € pro Wohneinheit und Jahr ohne iSFP, mit iSFP 60.000 €. Alternativ: 20 Prozent Steuerbonus nach § 35c EStG, verteilt auf drei Jahre (7 % + 7 % + 6 %), maximal 40.000 € pro Objekt. Voraussetzung BAFA: Einbindung eines zugelassenen Energieberaters (Energie-Effizienz-Experten-Liste) vor Maßnahmenbeginn.
Die Untersparrendämmung wird in der Praxis selten allein ausgeführt – meist im Zuge eines Innenausbau-Projekts oder einer ohnehin geplanten Erneuerung der Innenverkleidung. Dann sind die Sowieso-Kosten (Lattung, Bekleidung, Spachtelarbeit) ohnehin angesetzt – die Untersparrendämmung kostet nur die zusätzlichen Materialkosten, etwa 30–50 €/m² Mehraufwand.
In Paderborn, Bielefeld und Kassel ist die Untersparrendämmung der Standardweg, um eine 1980er-Jahre-Dachsanierung auf BAFA-Förderniveau zubringen, ohne die Dacheindeckung anfassen zu müssen. Kombination mit dem Dämmsack-Verfahren oder Einblasdämmung gegen Unterspannbahn ist ideal.
FAQ – Häufige Fragen
Wie dick darf die Untersparrenlage maximal sein?
Maximal 20 Prozent der Gesamtdämmdicke. Bei 18 cm Zwischensparrendämmung sind das 4–5 cm Untersparrendämmung. Mehr verschiebt den Taupunkt in die Dampfbremse hinein – mit Tauwasserrisiko.
Brauche ich eine neue Dampfbremse?
Wenn die vorhandene Dampfbremse durchgehend und nicht beschädigt ist, kann sie weiterverwendet werden. Bei Bestandsdämmungen aus den 1980er Jahren ist sie meist defekt – dann zusammen mit der Untersparrendämmung erneuern. Die Investition lohnt sich, weil die Lattung den Zugang zur Folie ermöglicht.
Welcher U-Wert ist erreichbar?
Bei 18 cm Zwischensparrendämmung (WLS 035) plus 4 cm Untersparrendämmung (WLS 035) ergibt sich ein U-Wert von etwa 0,15–0,17 W/(m²K). Damit ist die BAFA-Schwelle nahe. Bei 22 cm Zwischen plus 5 cm Unter erreichen Sie 0,12–0,14 W/(m²K) – BAFA-förderfähig.
Wie wirkt sich die Lattung auf den Brandschutz aus?
Holzlatten sind brennbar (B2). In Wohngebäuden bis GK 3 unproblematisch. Bei MFH ab Gebäudeklasse 4 müssen Metallprofile (CD-Profile) verwendet werden, und der Dämmstoff muss A1 (Mineralwolle) sein. Gipsfaser-Bekleidung bietet zusätzlichen Brandschutz.
Wie viel Stehhöhe verliere ich?
Bei 5 cm Untersparrendämmung plus 1,25 cm Gipskarton verlieren Sie etwa 6,5 cm Stehhöhe an der Dachschräge. Bei niedrigen Drempelhöhen (unter 1,30 m) kritisch zu prüfen, sonst meist unproblematisch.
Welche Heizkostenersparnis?
Bei einer 120 m² großen Dachfläche und U-Wert-Verbesserung von 0,22 auf 0,14 W/(m²K) etwa 250–400 € pro Jahr zusätzlich. Bei Materialkosten von 60–100 €/m² Amortisation 15–30 Jahre.
Wer plant die richtige Dimensionierung?
Ein Energieberater oder Bauphysiker. Er berechnet die 80/20-Regel konkret für Ihren Aufbau und prüft das Tauwasserrisiko mit dem Glaser-Verfahren oder WUFI-Simulation. Kosten 400–800 €.
Nächster Schritt: Energieberatung mit iSFP
Welche Dämmstärke, welcher Dämmstoff und welches Verfahren für Ihr Gebäude wirtschaftlich sinnvoll sind, lässt sich nur am konkreten Bauteilbeurteilen. Der individuelle Sanierungsfahrplan (iSFP) liefert die Bauteil-Bilanz und hebt die BAFA-Förderung um 5 Prozentpunkte. WERK.E begleitet Eigentümer in Paderborn, Bielefeld, Kassel, Göttingen und Dortmund vom Erstgespräch bis zur Verwendungsnachweisprüfung.
Quellen
- BMWSB / BBSR (2024): Gebäudeenergiegesetz (GEG), Anlage 7. https://www.bbsr-geg.bund.de/GEGPortal/DE/GEGRegelungen/Gebaeudebestand/BedAnforderungen/EnergAnf_node.html
- BAFA: Bundesförderung für effiziente Gebäude – Einzelmaßnahmen (BEG EM). Stand 2026. https://www.bafa.de/DE/Energie/Effiziente_Gebaeude/Sanierung_Wohngebaeude/sanierung_node.html
- DIN 4108-2:2013-02: Wärmeschutz und Energie-Einsparung in Gebäuden – Mindestanforderungen. https://www.beuth.de
- Fachverband Einblasdämmung e.V. (FVED): Technische Richtlinien. https://www.fved.net




