Von Effizienzklasse G auf C für unter 30.000 Euro

Vorher/Nachher Einfamilienhaus Neuenbeken

Ein Einfamilienhaus in Neuenbeken mit Ölheizung, Effizienzklasse G, hohe Heizkosten. Nach der Sanierung: Klasse C und etwa halbierte Energiekosten. Gekostet hat das keine 30.000 Euro. Der Grund liegt nicht in einer besonders teuren Maßnahme, sondern in der Reihenfolge.
Die meisten Sanierungen, die uns vorgelegt werden, fangen beim Heizkessel an. Der alte fliegt raus, ein neuer kommt rein, und weil das Haus unverändert viel Wärme braucht, muss der neue groß sein. Große Anlage, großer Preis, und die Hülle bleibt, wie sie war. Ein Jahr später steht dann die Dämmung an, und die Anlage ist zu groß für das Haus, das sie beheizen soll. Bei diesem Projekt lief es andersherum. Zuerst wurde der Bedarf gesenkt, dann die Technik danach ausgelegt. Genau das macht den Unterschied zwischen 30.000 und 80.000 Euro.

 

Die Ausgangslage

Das Haus stand vor der Sanierung bei Effizienzklasse G, der schlechtesten Klasse im Energieausweis. Geheizt wurde mit Öl. Die oberste Geschossdecke war ungedämmt, der Dachboden also so kalt wie die Außenluft und die Wärme aus dem Wohngeschoss zog ungebremst nach oben. Das ist keine Ausnahme. Bei Häusern aus den Jahrzehnten vor der ersten Wärmeschutzverordnung ist die oberste Geschossdecke fast immer die größte offene Flanke. Sie ist zugleich die billigste, die sich schließen lässt.

 

Schritt eins: Zellulose auf die oberste Geschossdecke

Die Decke wurde nicht aufgebaut, sondern gefüllt. Der Fachbetrieb Ecotherm Dämmtechnik hat Zellulose im Einblasverfahren eingebracht. Der Dämmstoff wird über einen Schlauch auf die Decke geblasen und verteilt sich fugenlos, auch zwischen Balken und in Ecken, an die man mit Platten nicht herankommt. Das Verfahren hat drei Vorteile, die genau auf dieses Projekt einzahlen: Es braucht kein Gerüst und keinen Umbau. Die Arbeiten finden auf dem Dachboden statt. Es ist in Stunden erledigt, nicht in Wochen. Niemand muss ausziehen. Es kostet einen Bruchteil dessen, was ein neuer Deckenaufbau kosten würde. Zellulose besteht aus recyceltem Zeitungspapier. Sie reguliert Feuchte, was in einer Holzbalkendecke ein echter Vorteil ist, und sie schmiegt sich an jede Unregelmäßigkeit an. Wie das Verfahren im Detail abläuft, welche Hohlräume sich eignen und wo es an Grenzen stößt, erklärt Ecotherm auf ecoth.de.

Saniertes Einfamilienhaus, Einblasschlauch führt zur obersten Geschossdecke

 

Schritt zwei: Luft-Luft-Wärmepumpen statt neuem Kessel

Erst nachdem der Wärmebedarf gesunken war, wurde über die Heizung entschieden. Die Wahl fiel auf Luft-Luft-Wärmepumpen. Sie holen die Wärme aus der Außenluft und geben sie direkt an die Raumluft ab. Der Kostenvorteil steckt darin, was dabei nicht gebaut werden muss: kein Pufferspeicher, keine neue Verteilung, keine hydraulische Anlage im ganzen Haus. Genau diese Nebenkosten machen bei einer klassischen Heizungssanierung oft den größeren Teil der Rechnung aus. Diese Lösung passt nicht zu jedem Haus, und sie ist keine Standardempfehlung. Sie funktioniert dann, wenn der Wärmebedarf niedrig genug ist und die Räume sich sinnvoll mit Luft beheizen lassen. Beides war hier der Fall, und zwar deshalb, weil vorher gedämmt wurde.

 

Warum die Kombination funktioniert

Die beiden Maßnahmen wirken nicht nebeneinander, sondern aufeinander. Die gedämmte Geschossdecke senkt den Wärmebedarf. Der gesunkene Bedarf macht die einfachere, günstigere
Heiztechnik überhaupt erst tragfähig. Und weil die Technik günstiger ist, bleibt das Gesamtbudget unter 30.000 Euro, obwohl zwei Gewerke beteiligt waren. Hätte man zuerst die Heizung getauscht, wäre eine größere Anlage nötig gewesen, ausgelegt auf ein ungedämmtes Haus. Die Dämmung hätte man danach trotzdem gebraucht, und die Anlage wäre überdimensioniert
gewesen. Das ist der Klassiker: Ohne Plan zahlt man zweimal.

 

Förderung

Auch die Förderung hat dazu beigetragen, dass das Projekt im Budget blieb. Die eingesetzten Klimaanlagen wurden hier wie Wärmepumpen gefördert, die Einblasdämmung der obersten Geschossdecke mit 20 Prozent bezuschusst. Das senkt nicht nur die Investitionskosten, sondern verstärkt genau den Effekt, um den es in diesem Beispiel geht: erst den Bedarf reduzieren, dann die passende Technik wählen und dafür auch noch die verfügbaren Zuschüsse mitnehmen.

 

Das Ergebnis in Zahlen

vorher nachher
Effizienzklasse G C
Heizung Ölheizung Luft-Luft-Wärmepumpen
Oberste Geschossdecke ungedämmt Zellulose im Einblasverfahren
Energiekosten Ausgangswert etwa halbiert
Investition unter 30.000 Euro

Vier Klassen im Energieausweis, von G auf C, für eine Summe, die viele Eigentümer allein für den
Heizungstausch einplanen. Das ist der Punkt, um den es hier geht.

 

Was das für Ihr Haus bedeutet

Dieses Projekt lässt sich nicht eins zu eins übertragen. Jedes Haus hat andere Hohlräume, einen anderen Grundriss und einen anderen Bedarf. Übertragbar ist die Reihenfolge:

  1. Erst messen. Wo geht die Wärme raus, und welche Bauteile haben Hohlräume, die sich füllen lassen?
  2. Dann den Bedarf senken. Die günstigen Maßnahmen zuerst, meist die oberste Geschossdecke.
  3. Dann die Technik auslegen. Auf das Haus, das danach dasteht, nicht auf das von vorher.
  4. Dann erst bauen.

Wer diese Reihenfolge einhält, kommt mit weniger Geld weiter. Wer sie umdreht, kauft sich eine Anlage, die zum Haus von gestern passt.

 

Häufige Fragen

Wie viel kostet es, von Effizienzklasse G auf C zu kommen?
Das hängt vom Gebäude ab. In diesem Projekt lagen die Gesamtkosten unter 30.000 Euro, weil zuerst der Wärmebedarf gesenkt und die Heiztechnik danach ausgelegt wurde. Wird die Reihenfolge umgedreht, liegen vergleichbare Sanierungen deutlich höher.

Lohnt sich die Dämmung der obersten Geschossdecke?
Bei einem ungedämmten Dachboden ist sie meist die Maßnahme mit dem besten Verhältnis von Aufwand zu Wirkung. Sie ist schnell erledigt, greift nicht in die Wohnräume ein und senkt den Wärmebedarf spürbar. Für ein Wohngebäude schreibt das Gebäudemodernisierungsgesetz ohnehin einen Mindestwärmeschutz der obersten Geschossdecke vor, sofern das Dach darüber nicht gedämmt ist.

Was ist Einblasdämmung?
Ein loser Dämmstoff wird mit einer Maschine über Schläuche in vorhandene Hohlräume geblasen, etwa auf eine Geschossdecke oder in die Luftschicht einer zweischaligen Außenwand. Das Bauteil muss dafür nicht geöffnet oder neu aufgebaut werden. Mehr dazu bei Ecotherm.

Kann eine Luft-Luft-Wärmepumpe eine Ölheizung ersetzen?
Sie kann es, wenn der Wärmebedarf des Hauses niedrig genug ist und die Räume sich mit Luft beheizen lassen. Das setzt in der Regel voraus, dass vorher gedämmt wurde. Ob das für ein bestimmtes Haus gilt, zeigt die Berechnung, nicht die Broschüre.

Was bringt die Reihenfolge wirklich?
Sie entscheidet über die Größe und damit über den Preis der Heiztechnik. Ein gedämmtes Haus braucht eine kleinere Anlage. Wer zuerst die Anlage kauft, legt sie auf den alten Zustand aus und zahlt die Dämmung später zusätzlich.

 

Wir rechnen Ihr Haus durch

Bevor Sie investieren, sollten Sie wissen, welche Maßnahme bei Ihnen wie viel bringt und in welcher Reihenfolge sie sinnvoll sind. Genau dafür ist der Sanierungsfahrplan da. Sprechen Sie uns an, wir schauen uns Ihr Gebäude an und rechnen die Varianten gegeneinander.

Hinweis auf Wissensseite