In ausgebauten Dachgeschossen ist der Drempel – der niedrige Außenwandbereich zwischen Geschossdecke und Dachschräge – häufig die kritischste thermischeSchwachstelle. Während Dach und Außenwand meist gut gedämmt sind, bleibt der Drempelraum oft unbeheizt und unbedacht: ein Hohlraum hinter der ausgebautenDachschräge, der weder beheizt noch wirksam abgedichtet ist. Die Wärmebrücke an der Geschossgrenze – wo Außenwand, OGD und Dachschräge aufeinandertreffen – verursacht 8–15 Prozent der Gesamtwärmeverluste eines Dachausbaus.
Der Drempel ist der senkrechte Außenwandstreifen zwischen oberster Geschossdecke und Dachschräge. Bei nicht ausgebauten Drempeln ist die thermische Hülle oftunterbrochen. Sanierung: Dämmung der Außenwand (Calciumsilikat innen oder WDVS außen) sowie der Bodenfläche im Drempelraum. U-Werte 0,18–0,28 W/(m²K). Kosten 60–110 €/m². BAFA 2026: 15 %, mit iSFP 20 %.
Was ist ein Drempel und warum ist er kritisch?
Der Drempel ist die niedrige Außenwand im Dachgeschoss zwischen Außenwand-Oberkante und Dachschräge. Bei Drempelhöhen von 1,00–1,30 m bleibt der Raum dahinter ungenutzt– als Speicherraum oder ungenutzter Hohlraum. In nicht ausgebauten Dachgeschossen bildet der Drempel oft einen kritischen Wärmebrückenbereich, weil hier Decke, Außenwandund Dachschräge zusammenstoßen.
Die Geometrie ist energetisch ungünstig. An der Stoßstelle treffen drei Bauteile aufeinander, jedes mit eigener Dämmebene. Wo eine Dämmebene fehlt oder unterbrochen ist, entsteht ein ‚Punktverlust‘ – ein klassisches Beispiel für eine geometrische Wärmebrücke. Über die Trauflinie eines typischen Einfamilienhauses gehen 200–400 W pro Heizperiodeverloren.
Sanierung in zwei Ebenen: Außenwand und Boden
Bei dieser Variante werden zwei Bauteile gleichzeitig gedämmt: die Außenwand des Drempels (also die Wand, die nach außen begrenzt) und der Boden des Drempelraums (also die Fläche zwischen Drempel-Innenwand und Drempel-Außenwand).
Die Außenwand wird als Innendämmung ausgeführt – mit kapillaraktivem Calciumsilikat (WLS 060–070, 8–10 cm) oder Mineralwolle-Vorsatzschale mit Dampfbremse. Der Boden wirdbegehbar mit Mineralwolle WLS 035 oder Zellulose-Einblasdämmstoff gedämmt – 18–22 cm Dicke. So bleibt die Drempelfläche selbst kalt – der Speicher zwischen Drempelaußenwandund Dachschräge wird zur unbeheizten Zone.
Wärmebrückenfreier Anschluss
Entscheidend ist der Anschluss Außenwand → Boden → Innenwand. Eine umlaufende Dämmung mit überlappenden Fugen vermeidet, dass die Wärmebrücke nur verschoben wird. Die Innendämmung der Außenwand muss mindestens 30 cm in den Bodenanschluss hineingeführt werden. Die Bodendämmung umgekehrt 30 cm in den Wandanschluss hinein.
Anschluss-Detail
Aus über 10.000 Sanierungsprojekten zeigt sich: Bei nicht-fachgerecht ausgeführten Drempelsanierungen kommt es in 30–40 Prozent der Fälle zu Tauwasser oder Schimmel imAnschlussbereich. Ursache: unterbrochene Dämmebene oder fehlende Flankendämmung. Eine fachgerechte Planung mit Bauphysik-Berechnung kostet 400–700 € und vermeidet dieseProbleme.
Materialwahl und Bauphysik
Für die Außenwand-Innendämmung des Drempels eignet sich Calciumsilikat (WLS 060–070) oder Holzweichfaser (WLS 040). Beide kapillaraktiv, robust gegen Tauwasser. Calciumsilikatzusätzlich alkalisch (pH 10–12), schimmelresistent durch alkalische Wirkung.
Für die Bodendämmung kommt Mineralwolle-Klemmfilz WLS 035 (begehbar mit OSB-Verlegeplatte darüber) oder Zellulose-Einblasdämmstoff WLS 038 zum Einsatz. Bei begehbarerVariante OSB 22 mm, bei nicht-begehbarer reicht eine Trennlage.
U-Werte sind bauteilspezifisch. Bei 10 cm Calciumsilikat WLS 065 auf 24-cm-Vollziegelwand: U ≈ 0,38 W/(m²K). Bei 22 cm Mineralwolle WLS 035 als Bodendämmung auf Holzbalken: U ≈ 0,18 W/(m²K). Die thermische Hülle des beheizten Bereichs wird so geschlossen.
Kosten und Förderung 2026
60–110 €/m² Dämmfläche. Bei einer typischen Drempelsanierung mit 30 m² Außenwand und 25 m² Boden ergibt sich eine Gesamtinvestition von 3.000–6.000 €. BAFA-Förderung 450–1.200 €.
Die Bundesförderung für effiziente Gebäude – Einzelmaßnahmen (BEG EM) fördert 2026 Dämmmaßnahmen an der Gebäudehülle mit einem BAFA-Zuschuss von 15 Prozent der förderfähigen Kosten. Mit individuellem Sanierungsfahrplan (iSFP) erhöht sich der Zuschuss um 5 Prozentpunkte auf 20 Prozent. Förderfähig sind 30.000 € pro Wohneinheit und Jahr ohne iSFP, mit iSFP 60.000 €. Alternativ: 20 Prozent Steuerbonus nach § 35c EStG, verteilt auf drei Jahre (7 % + 7 % + 6 %), maximal 40.000 € pro Objekt. Voraussetzung BAFA: Einbindung eines zugelassenen Energieberaters (Energie-Effizienz-Experten-Liste) vor Maßnahmenbeginn.
Die Heizkostenersparnis liegt bei 250–500 € pro Jahr. Amortisation 8–15 Jahre. Bei Komplettsanierung des Dachgeschosses (gleichzeitig Dachschräge, Drempel und Boden) deutlichschneller.
Praxis OWL: typische Konstellationen
In Paderborn, Bielefeld und Kassel finden sich tausende ausgebaute Dachgeschosse aus den 1970er–80er Jahren mit Drempelhöhen von 1,00–1,30 m. In den meisten Fällen ist der Drempelraum ungedämmt – weder Außenwand noch Boden noch Drempel-Innenwand sind sauber thermisch abgedichtet.
Bei der Sanierung der Dachschräge (Verfahren 02–07) gehört der Drempel zur Standardprüfung. Eine isolierte Drempelsanierung ohne Dachschrägendämmung lohnt sich nur, wenndas Dach selbst bereits gut gedämmt ist – sonst bleibt die thermische Schwachstelle anderswo.
FAQ – Häufige Fragen
Wann lohnt sich die Drempeldämmung?
Immer dann, wenn das Dachgeschoss ausgebaut ist und der Drempelraum als Speicher genutzt wird. Sonst ist eine durchgehende Dachschrägendämmung (inkl. Drempelaußenseite) wirtschaftlicher.
Welche Dämmstoffe sind sinnvoll?
Außenwand-Innendämmung: Calciumsilikat (kapillaraktiv, schimmelresistent) oder Mineralwolle mit Dampfbremse. Boden: Mineralwolle-Klemmfilz oder Zellulose-Einblasdämmung.
Welcher U-Wert ist förderfähig?
BAFA BEG EM 2026: Außenwand U ≤ 0,20 W/(m²K), Decke gegen unbeheizt U ≤ 0,25 W/(m²K). Beides ist mit 10–14 cm Dämmung erreichbar.
Was passiert mit der Drempeltür?
Eine ungedämmte Speichertür entwertet die Maßnahme. Eine Dämmtür mit U ≤ 1,2 W/(m²K) kostet 400–700 €. Bei alten Türen ohne Wärmedämmung ist ein Tausch zwingend.
Wer plant die Anschlüsse?
Ein Energieberater oder Bauphysiker. Komplexe Anschlüsse Wand-Boden-Dachschräge ohne Detailplan führen regelmäßig zu Wärmebrücken und Schimmel. Planungskosten 400–700 € amortisieren sich schnell.
Lohnt sich die Maßnahme allein?
Bei Standard-Drempelsanierung 3.000–6.000 € Investition, 250–500 € Heizkostenersparnis pro Jahr. Amortisation 8–15 Jahre – wirtschaftlich darstellbar.
Kann ich die Drempelsanierung selbst durchführen?
Begrenzte Eigenleistung möglich (Bodenverlegung, Anschlüsse). Innendämmung mit Calciumsilikat sollte ein Fachbetrieb ausführen wegen Anspruch an vollflächige Verklebung. Förderung bei Eigenleistung nur Materialkosten ab 2.000 € mit Energieberater-Testat.
Nächster Schritt: Energieberatung mit iSFP
Welche Dämmstärke, welcher Dämmstoff und welches Verfahren für Ihr Gebäude wirtschaftlich sinnvoll sind, lässt sich nur am konkreten Bauteil beurteilen. Der individuelleSanierungsfahrplan (iSFP) liefert die Bauteil-Bilanz und hebt die BAFA-Förderung um 5 Prozentpunkte. WERK.E begleitet Eigentümer in Paderborn, Bielefeld, Kassel, Göttingen und Dortmund vom Erstgespräch bis zur Verwendungsnachweisprüfung.
- BMWSB / BBSR (2024): Gebäudeenergiegesetz (GEG), Anlage 7. https://www.bbsr-geg.bund.de/GEGPortal/DE/GEGRegelungen/Gebaeudebestand/BedAnforderungen/EnergAnf_node.html
- BAFA: Bundesförderung für effiziente Gebäude – Einzelmaßnahmen (BEG EM). Stand 2026. https://www.bafa.de/DE/Energie/Effiziente_Gebaeude/Sanierung_Wohngebaeude/sanierung_node.html
- DIN 4108-2:2013-02: Wärmeschutz und Energie-Einsparung in Gebäuden – Mindestanforderungen. https://www.beuth.de
- Fachverband Einblasdämmung e.V. (FVED): Technische Richtlinien. https://www.fved.net





