Wer im Bestand plant, kennt das Problem: Die vorhandenen Unterlagen sind unvollständig, Maße fehlen, Grundrisse stimmen nicht mehr zum realen Gebäude, und auf der Baustelle zeigt sich dann, dass eine Nische doch kleiner ist, ein Raum verwinkelter oder die Einbausituation komplexer als gedacht. Gerade bei energetischen Sanierungen, Heizlastberechnungen, Wärmepumpenplanungen oder Nachweisen rund um die Gebäudehülle ist eine saubere Bestandsaufnahme deshalb keine Nebensache, sondern die Grundlage für belastbare Planung. Bei uns spielen präzise Zeichnungen und verlässliche Gebäudedaten eine zentrale Rolle, weil sie die Basis für energetische Berechnungen, Förderfähigkeit und die technische Umsetzbarkeit eines Projekts bilden.
Warum die Bestandsaufnahme über die Qualität der Planung entscheidet
In der Praxis beginnt ein großer Teil späterer Probleme nicht erst bei der Ausführung, sondern schon bei der Erfassung des Ist-Zustands. Wenn Maße händisch aufgenommen, auf Zetteln notiert und später im Büro übertragen werden, entstehen leicht Medienbrüche, Zahlendreher oder Rückfragen.
Für uns als Planende ist deshalb nicht nur wichtig, dass gemessen wird, sondern wie. Denn je nach Ziel unterscheiden sich die Anforderungen deutlich: Geht es um Visualisierung und Kollaboration? Um einen möglichst schnellen digitalen Zwilling? Um LiDAR-gestützte Raumdaten für technische Berechnungen? Oder um absolute Sicherheit bei einzelnen kritischen Anschlussmaßen? Genau hier lohnt sich der Vergleich zwischen Matterport, autarc und dem klassischen Handaufmaß. Wir nutzen alle drei Varianten abhängig vom Gebäude.
Am besten ist es natürlich, wenn bereits alte Pläne vorhanden sind. Dann prüfen wir diese sorgfältig, gleichen sie mit dem tatsächlichen Bestand ab und passen sie an die realen Gegebenheiten vor Ort an. Denn gerade im Bestand stimmen ältere Unterlagen häufig nur teilweise: Umbauten, nachträgliche Änderungen oder ungenaue Bestandszeichnungen führen schnell dazu, dass ein Plan auf dem Papier nicht mehr exakt zum Gebäude passt.
Was Matterport in der Planung stark macht
Matterport ist besonders dann interessant, wenn ein Gebäude nicht nur vermessen, sondern als digitaler Zwilling dokumentiert und im Team nutzbar gemacht werden soll. Der große Vorteil liegt in der räumlichen Erfassung, der visuellen Klarheit und der Möglichkeit, daraus weitere Planungsdaten abzuleiten.
Für die Praxis bedeutet das: Wer Bestandsgebäude mit vielen Beteiligten bearbeitet, profitiert von einer gemeinsamen, visuell verständlichen Datengrundlage. Räume, Übergänge, Einbausituationen und bauliche Zusammenhänge lassen sich deutlich schneller erfassen als aus einzelnen Fotos oder alten PDF-Plänen. Gerade in frühen Planungsphasen kann das helfen, Missverständnisse zu reduzieren und Entscheidungen zu beschleunigen.
Auch für Grundrisse bietet Matterport einen klaren Workflow. Schematische 2D-Floorplans können direkt aus dem 3D-Modell erstellt werden, ohne einen zusätzlichen Vor-Ort-Termin. Die Floor-Pläne enthalten Raummaße, Flächen und dauerhafte Ausstattungsmerkmale. Gleichzeitig weist Matterport aber selbstdarauf hin, dass diese Grundrisse vor allem für bestimmte Anwendungsfälle gedacht sind und lokale Messstandards beachtet werden müssen. Außerdem empfiehlt Matterport ausdrücklich, Referenzmaße vor Ort aufzunehmen und die erzeugten Pläne gegenzuprüfen.
Wo die Grenzen von Matterport liegen
So hilfreich digitale Zwillinge sind: Matterport ist laut eigener Dokumentation kein vermessungstechnisches Präzisionswerkzeug. Unter normalen Bedingungen weisen Modelle typischerweise eine Abweichung von etwa 1% von der Realität auf, was für Visualisierung, allgemeine Raumplanung und viele Bestandsaufnahmen gut nutzbar ist. Für hochpräzise architektonische oder ingenieurtechnische Anwendungen, bei denen einzelne Millimeter kritisch sind, sollte Matterport jedoch nicht als alleinige Grundlage verwendet werden.
Matterport nennt auch die typischen Fehlerquellen sehr klar: geringe Scandichte, lange Scan-Ketten mit aufaddierten Abweichungen, reflektierende Oberflächen wie Glas oder Spiegel, sehr dunkle Flächen sowie kleine oder filigrane Bauteile. Gerade bei kleinen Objekten, dünnen Leitungen oder glänzenden Oberflächen kann die Geometrie im Modell ungenauer sein als bei klassischen Wand-zu-Wand-Maßen eines normalen Raums. Deshalb empfiehlt Matterport für kritische Maße ausdrücklich die Gegenprüfung mit Maßband oder Laser-Distanzmesser.
Insgesamt dauert die Datenaufnahme damit etwas länger, was Mehrkosten verusachen kann, ist jedoch sehr präzise.
Was autarc anders macht
autarc positioniert sich stärker als Lösung für die technische Planung im Gebäudebestand, insbesondere rund um Heizung, Heizlast, hydraulischen Abgleich und die systematische digitale Erfassung von Gebäudedaten. Interessant ist hier vor allem der LiDAR-gestützte Ansatz den wir in einem iPad Pro nutzen: Wir scannen Räume in 30 bis 45 Sekunden, können ein Haus mit 175 m² in rund 15 Minuten erfassen und die Daten direkt im 3D-Modell weiterbearbeiten.
Für uns ist es vor allem dann spannend, wenn aus der Bestandsaufnahme nicht nur ein anschauliches Modell, sondern möglichst schnell technisch verwertbare Raumdaten entstehen sollen. autarc hebt als Vorteile insbesondere Zeitersparnis, Fehlerreduktion, digitale Übergabe von Baustelle ins Büro und eine nahtlose Weiterverarbeitung hervor.
Wie wir bei WERK.E konkret vorgehen
Wir schauen uns jedes Projekt individuell an und entscheiden nicht nach Schema F, sondern nach Gebäude, Ziel und vorhandener Datenlage. Wir nutzen aktiv alle sinnvollen Möglichkeiten der Bestandsaufnahme: vorhandene Altpläne, digitales Aufmaß, LiDAR-gestützte Erfassung, Matterport-Scans und – wo notwendig – ergänzende Kontrollmaße von Hand. Unsere Empfehlung ist deshalb immer, zuerst zu prüfen, was bereits vorhanden ist und welche Methode für genau dieses Objekt den größten Mehrwert bringt.
Wenn keine oder nur unvollständige Pläne vorhanden sind, ist autarc für kleinere Gebäude aus unserer Sicht eine sehr gute Lösung und wird von uns aktiv genutzt. Gerade dort, wo es auf ein schnelles, strukturiertes Aufmaß und die anschließende technische Weiterverarbeitung ankommt, ist dieser Weg besonders effizient.
Bei größeren Gebäuden oder wenn aus dem Bestand belastbare Pläne erstellt werden sollen, setzen wir auch Matterport ein. Damit haben wir nach unserer Projekterfahrung bereits Gebäude mit mehr als 10.000 m² erfasst. Der Vorteil liegt hier vor allem in der vollständigen räumlichen Dokumentation, der guten Nachvollziehbarkeit und der Möglichkeit, komplexe Gebäudestrukturen sauber aufzunehmen und später im Planungsteam nachvollziehbar weiterzuverwenden.
Wenn alte Pläne vorhanden sind, ist das oft der beste Startpunkt. Wir prüfen diese Unterlagen jedoch nie blind, sondern gleichen sie mit den realen Gegebenheiten ab und ergänzen oder korrigieren, was im Bestand tatsächlich vorhanden ist. Genau dieser Abgleich zwischen Unterlage und Realität ist in vielen Projekten entscheidend, damit die spätere energetische Bewertung nicht auf falschen Annahmen basiert.
Wofür wir diese Daten bei Energiekonzepten brauchen
Eine saubere Bestandsaufnahme ist nicht nur für die Planerstellung wichtig, sondern vor allem für die Entwicklung belastbarer Energiekonzepte. Verlässliche Flächen, Raumgeometrien, Bauteilaufbauten, Fenster- und Türgrößen sowie die tatsächliche Gebäudestruktur sind die Grundlage dafür, den Energiebedarf realistisch zu bewerten und sinnvolle Maßnahmen abzuleiten.
Bei WERK.E brauchen wir diese Daten zum Beispiel für energetische Berechnungen, für Sanierungsfahrpläne und für Nachweise rund um die Gebäudehülle. Präzise Zeichnungen und korrekt erfasste Bauteile bilden außerdem die Grundlage für Wärmeschutznachweise, sommerlichen Wärmeschutz, Lüftungskonzepte, Luftdichtheitskonzepte, Wärmebrückennachweise, Ökobilanzierungen, Nachhaltigkeitsbewertungen und Energieausweise. Je besser die Bestandsdaten sind, desto belastbarer ist am Ende auch das Energiekonzept.
Wann ist das Handaufmaß die beste Wahl?
Trotz aller Digitalisierung bleibt das Handaufmaß ein wichtiges Werkzeug. Nicht als Gegenmodell zu digitaler Erfassung, sondern als notwendige Ergänzung. Immer dann, wenn einzelne Anschlussmaße kritisch sind, eine Einbausituation absolut passen muss oder Oberflächen die digitale Erfassung erschweren, ist das manuelle Nachmessen unverzichtbar. Das gilt zum Beispiel für Fensterlaibungen, Rohranschlüsse, Durchbrüche, Treppenanschlüsse, verwinkelte Bestandssituationen oder Bereiche mit Spiegeln, Glas und stark reflektierenden Materialien. Genau solche Grenzfälle nennt auch Matterport selbst als Anlassfür eine zusätzliche physische Kontrolle.
Wer rein händisch arbeitet, zahlt dafür allerdings oft mit mehr Zeitaufwand und höherem Fehlerrisiko. autarc beschreibt die klassischen Folgen analoger Aufmaßprozesse sehr treffend: Zettelwirtschaft, ungeordnete Fotos, Übertragungsfehler und Verzögerungen in Angebot, Planung und Dokumentation.
Was ist also besser: Matterport, autarc oder Handaufmaß?
Die ehrliche Antwort lautet: Es kommt auf das Ziel der Planung an.
Wenn es vor allem um räumliches Verständnis, Dokumentation, Abstimmung im Team und einen gut nutzbaren digitalen Zwilling geht, ist Matterport sehr stark. Gerade wenn mehrere Beteiligte schnell ein Gebäude verstehen sollen, spielt die visuelle Qualität des Systems ihre Stärken aus. Zusätzlich können daraus CAD- und BIM-Daten sowie Floor-Pläne abgeleitet werden.
Wenn dagegen die technische Weiterverarbeitung für energetische oder TGA-nahe Planung im Vordergrund steht, ist autarc besonders interessant. Der Fokus liegt dort stärker auf schneller LiDAR-Erfassung, strukturierter Gebäudedatenerhebung und der anschließenden Nutzung für technische Berechnungen und Planungsschritte.
Und wenn einzelne Maße fehlen oder absolut kritisch sind, bleibt das Handaufmaß, beziehungsweise das gezielte Nachmessen mit Laser, die sicherste Ergänzung. Nicht entweder-oder, sondern als Qualitätssicherung dort, wo Präzision wirklich entscheidend ist.
Unsere Einschätzung bei WERK.E
Aus planerischer Sicht ist nicht die Frage entscheidend, welches Werkzeug „gewinnt“, sondern welches Verfahren für die jeweilige Aufgabe den größten Nutzen bringt. Für energetische Bewertungen, belastbare Nachweise und saubere Planungsgrundlagen braucht es in der Regel eine kluge Kombination: digitale Erfassung für Geschwindigkeit, Transparenz und Dokumentation – plus gezielte Kontrollmaße dort, wo technische Entscheidungen daran hängen.
Unsere Empfehlung ist deshalb klar: Wir schauen uns jedes Gebäude individuell an, bewerten die vorhandenen Unterlagen und wählen dann den sinnvollsten Weg. Gibt es gute Altpläne, nutzen wir diese als Basis und prüfen sie am realen Objekt. Fehlen Pläne vollständig, setzen wir je nach Größe und Zielsetzung auf autarc, Matterport oder ergänzendes Handaufmaß. So entsteht keine Standardlösung von der Stange, sondern eine Bestandsaufnahme, die wirklich zum Projekt passt.
Genau darin liegt aus unserer Sicht der sinnvollste Weg im Bestand: digital aufnehmen, strukturiert auswerten und kritische Punkte bewusst verifizieren. So entstehen bessere Grundlagen für Heizlast, Sanierungskonzepte, Förderfähigkeit und Ausführung – und am Ende weniger Überraschungen auf der Baustelle.





